Wahrzeichen auf der untersten Stufe des Mittelgebirges unter dem
Absturz des Gantkofels ist der weit vorgeschobene und durch das
Etschtal von Meran her und ebenso vom Eisacktal bei Bozen und aus
dem Überetsch hervorragend sichtbare Kreidenturm, der an jener
Stelle
steht, wo der Andrianer und der St. Paulser Weg nach Hocheppan
zusammenstoßen.
Er bildet mit dem hochragenden Hocheppan, dem aus dem Wald rot
leuchtenden Boymont und dem darunter liegenden Korb aus der
Entfernung eine ungemein malerische Burgengruppe.
Der Hocheppaner Kreidenturm, ein auffallend hoher und schlanker
Viereckturm, hat einige Meter über dem Erdboden eine Öffnung, die
wohl der einstige Einstieg ist, und eine quadergerahmte
Rundbogentüre an der Südostmauer, die Zutritt zu seinem heute nicht
mehr vorhandenen Wehrgang war, den Kragsteine und Balkenlöcher noch
andeuten.
Der Turm dürfte zur gleichen Zeit wie Schloß Hocheppan um 1160
entstanden sein; es war kein Wohnturm, sondern diente Wehrzwecken.
Er war wohl ein Vorwerk zur Sicherung und zum Schutz des Aufganges
nach Hocheppan. Es umgab ihn eine mässig ausgedehnte viereckige
Mauer, von der heute nur mehr armselige Reste vorhanden sind;
innerhalb des Beringes dürfte einst auch ein kleiner Wohnbau
bestanden haben.
Von den widersprechenden Meinungen über die Bedeutung und das Alter
des Turmes, das sich immerhin doch mit dem 12. Jahrhundert ziemlich
genau begrenzen Iässt, ist die nach dem Namen Kreidenturm zu
erschließende, dass es sich um einen Signalturm für Kreidenfeuer,
für Warn- und Meldefeuer, gehandelt hat, die wahrscheinlichste.
Außerdem aber konnte man von diesem Kreidenturm die Burgstrasse und
die ganze Landschaft viel weiter überblicken und bewachen als vom
Bergfrit der Burg Hocheppan aus. Weingartner ist der Meinung, dass
der Kreidenturm wohl auch zu Signalzwecken verwendet wurde, von
allem aber ein wichtiges Vorwerk der Hauptburg Hocheppan war.
Wer die Burgruine Hocheppan besucht, ob er nun auf dem Weg von St.
Pauls oder Unterrain und Missian her über den Unterhauserhof oder
auf dem steilen Andrianer Steig her kommt, muss am Hocheppaner
Kreidenturm vorbei und hat dann noch zehn Minuten bis Hocheppan zu
steigen.